Zwei Schritte zur Seite
Wenn ich fotografiere, ist der erste Standpunkt fast nie der richtige. Das Licht kommt von der falschen Seite, im Hintergrund stört ein Mast, der Horizont kippt. Zwei Schritte zur Seite, und das Bild stimmt. Nichts an der Szene hat sich verändert, nur mein Blick darauf.
Im Team ist es genauso. Ein Konflikt, der aus meiner Rolle wie Unwilligkeit aussieht, ist aus der Sicht des Entwicklers vielleicht Überlastung. Aus der Sicht des Product Owners fehlende Klarheit. Aus Sicht des Kunden ein Versprechen, das nie gemacht wurde.
Die meisten Probleme, die ich für unlösbar hielt, waren nur schlecht fotografiert.
Perspektivenwechsel ist eine Übung, kein Talent
Ich frage im Daily manchmal bewusst: Wie würde das jemand sehen, der heute zum ersten Mal dabei ist? Das klingt nach Rhetorik, ändert aber die Antworten. Wer erklären muss, merkt selbst, wo die Begründung dünn wird.
Aus dem Rettungsdienst kenne ich das in härterer Form. Da gibt es keine Zeit für lange Diskussionen, aber sehr wohl für den einen Blick von der anderen Seite der Trage. Der kostet drei Sekunden und verhindert Fehler, die später Stunden kosten.
Für mich ist das der Kern von agiler Arbeit: nicht schneller rennen, sondern häufiger nachsehen, ob man noch in die richtige Richtung läuft.